Wolfgang wer?

Wer ist der Anführer der unbekannten und doch lesenswerten Schriftsteller, also jener Armee an Schreibern, die sich zu Lebzeiten wohl damit trösten konnte, nach ihrem Tod mal Weltruhm zu erlangen? Und nach ihrem Tod blieb ihnen der Weltruhm versagt, aber es kümmerte niemanden mehr – die Leser nicht, weil sie nicht wussten, dass es diese Unbekannten überhaupt gegeben hatte, und die Schriftsteller nicht, weil sie ja tot waren.

VIel zu viele sind vergessen und hätten doch den großen Erfolg verdient gehabt – andererseits wäre den jeweiligen kleinen Kennern und Genießern die Genugtuung verwehrt geblieben, die sich einstellt, wenn man etwas Großes ganz alleine wertschätzen kann. Sei es nun, weil man intelligent oder skrupellos genug ist.

Einer dieser Autoren hieß Wolfgang Hildesheimer, Schrifsteller, Übersetzer, Maler, und sagte einst in einer Rede einen hintersinnigen Satz:

„Die Funktion der Literatur ist ja, nicht Wahrheit zu Fiktion, sondern Fiktion zu Wahrheit zu machen“

Der Autor verarbeitet also – nach Ansicht Hildesheimers – nicht private wie politische Ereignisse und Erlebnisse, reichert sie mit schönen Wörtern und ein paar Stilmitteln an und – zack – fertig ist die Kunst. So kann man es sehen, aber es geht noch um etwas anderes.

Durch das Schreiben entsteht eine alternative Realität, die eine gewisse Relevanz für den Schreibenden, aber auch für den Lesenden hat. Das kann viele Gründe haben: Flucht vor dem eigenen traurigen Dasein, Betreten eines geschützten Raums zur Entspannung, latente Kritik an den politischen Umständen usw. usw. Literatur kann eben auch mehr sein als nur eine Aneinanderreihung schöner, ausgedachter Wortgebilde. Sie ist sehr wohl auch real und bildet Wirklichkeit ab – nur halt anders als Religion, Wissenschaft oder auch nur der eigene Wahrnehmungsapparat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.