The dark knight

Über die Hashtags #refugeesnotwelcome und #BILDnotwelcome ist in den letzten Tagen schon alles geschrieben worden. Zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier oder hier. Viele Menschen gewannen einen Einblick in das Denken des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann, so dachten und denken sie zumindest. Und dieser Einblick sei sehr entlarvend, hieß es oft. Eben wie bei den unzähligen anderen Entgleisungen und Provokationen Diekmanns. 

Warum macht der sowas? Ist Diekmann wirklich einfach von Grund auf böse, unverbesserlich und ein schlechter Mensch? Er twittert böse, weil er böse ist? Möglich wärs, natürlich. Aber auch naheliegend und darum langweilig. Hat er keine Umgangsformen gelernt? Kann er nicht mit der Technik umgehen? Hat ein noch viel böserer Mensch seinen Account gekapert?

Allein, wir werden es nie erfahren. Bis vor kurzem dachte ich ja noch, er macht das, weil er die Empörung genießt, die er auslöst. Oder sie belustigt zur Kenntnis nimmt. Einfach, weil er mit 140 Zeichen oder weniger Chaos auslösen kann, Hunderte Artikel bei Zeitungen und Blogs, Tausende Kommentare. Vielleicht hat irgendwann die Neugier über den Anstand gesiegt: Lässt sich das Chaos wirklich beliebig oft wiederholen?

Dann wurde ich auf eine Parallele aufmerksam, zu Batman. Batman – The Dark Knight, von Christopher Nolan (2008). Einerseits juble ich als Betreiber eines kleinen Literaturblogs natürlich immer, wenn sich in der Realität dramaturgische Muster abzeichnen. Andererseits lassen sich hier besonders tiefe Erkenntnisse gewinnen, ja die wahren entlarvenden Einblicke sogar.

Hier kann man sich das Ende des Films ansehen. Kurz gesagt: Batman nimmt ein paar Morde auf sich, damit der öffentliche Friede in Gotham City gewahrt bleibt. Aus einem Kindermund vernehmen wir die Wahrheit: „Why is he running? He didn’t do anything wrong.“ und der Vater erklärt: „Because we have to chase him.“

Was man nicht alles aus Filmen lernen kann. Vor diesem Hintergrund muss man ehrerbietig seinen Hut ziehen vor KD, der kein Held sein will und auch kein Held ist. Mehr so ein silent guardian, ein watchful protector, ein dark knight eines anderen kleinen Gemeinwesens, das da heißt: deutsche Medienlandschaft. Einer, der es aushalten kann.

He is the hero Gotham deserves, but not the one it needs right now.

Beitragsbild: Mit Material von hier und hier

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