Was deutscht hier so?

Der erste Januar 1800, Neujahr, ist kein sehr bedeutendes Datum. Geradezu nichts ist passiert. Nun gut, Deutschland existierte noch nicht und war in zahllose Kleinstaaten zersplittert. In Frankreich hatte es gut zwei Monate zuvor einen Staatsstreich gegeben und an Weihnachten 1799 hatte sich Napoleon Bonaparte mit einer Verfassungsänderung faktisch den Weg zur Alleinherrschaft geebnet. Die USA hatten mit John Adams bereits ihren zweiten Präsidenten.

In dieser Sattelzeit – es muss ja schließlich nicht immer irgendetwas passieren – trafen drei bedeutende Herren aufeinander, um Silvester zu feiern (oder war es Zufall?): Der 50-jährige Goethe, der 40-jährige Schiller und der 24-jährige Schelling. Die beiden großen Dichter hatten sich schon von ihrer Sturm und Drang-Phase entfernt, Goethe hatten den ersten Band des Wilhelm Meister geschrieben, Schiller seinen Wallenstein (alle drei Teile zusammengenommen übrigens die längste dramatische Dichtung in deutscher Sprache), Schelling war jünger, lehrte aber auf Vermittlung Goethes hin bereits an der Universität in Jena.

Das alles kann man miteinbeziehen, wenn man folgende Zeilen aus irgendeinem Buch über ihre Feierlichkeiten liest:

„Nach Mitternacht zogen Goethe, Schiller und Schellling sich in ein Nebenkabinett zurück. […] Einige Bouteillen Champagner standen auf dem Tisch und die Unterhaltung ward immer lebhafter. […] Goethe war unbefangen lustig, ja übermütig, während Schiller immer ernsthafter ward und sich in breiten doktrinären, ästhetischen Explikationen erging; sie hatten die größte Ähnlichkeit mit seiner bekannten Kritik über Klopstock, und er ließ sich nicht stören, wenn Goethe ihn durch irgend einen geistreichen Einwurf in seinem Vortrage zu verwirren suchte. Schelling behielt fortdauernd seine ruhige Haltung“

Man kann es sich aber auch sparen. Schließlich lässt es sich nicht entscheiden, ob diese Haltungen nun in biographischer Hinsicht interessieren (Goethe mittelalt und ein Quatschkopf, Schelling jung und besonnen, Schiller generell halt einfach schwermütig und weltfremd) oder uns etwas über den Zustand der damaligen Dichtung und Philosophie verraten. Aber ein farbigeres Bild einer vermeintlich ereignisarmen und ergo langweiligen Zeit zeichnen solche Szenen allemal.

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